Knappkaukjes und Verknobelung

knappkaukjesWas sollen uns diese Worte sagen? oder auch ganz kurz: Häh?
An einem Tag habe ich heute gleich zwei typisch ostfriesische Traditionen kennengelernt. Zum einen die Knappkaukjes, teilweise auch Knappkoken geschrieben, und zum anderen die Verknobelung.

Fangen wir mit letzterer an. Knobeln ist durchaus ein deutschlandweit bekannter Begriff, entweder als „Rätsel raten“ oder (wenigstens im Rheinland ist das so) als Würfelspiel. Die Verknobelung ist ein nur in Ostfriesland übliches Würfelspiel, das normalerweise am Abend vor Nikolaus, oder wie hier am Sonntag vor Nikolaus stattfindet. Von Gastwirten, Kaufleuten oder Vereinen werden dabei eine Reihe Preise ausgelobt. Das sind meistens Lebensmittel, wie Kuchen und Torten, Würste, geräucherte Fische, Süßigkeiten etc. Früher gab es da wohl auch häufiger Alkoholika, das ist aber seit 1974 verboten. Also nur das Ausspielen derselben, trinken darf man Alkohol während des Spiels durchaus :-). Na jedenfalls wird einer der Preise vom Spielleiter auf den Tisch gelegt, 4-6 Spieler treten an und leisten einen vorher festgelegten Einsatz von 1-5 EUR (kommt auf den Preis an) und dann wird gewürfelt. Man würfelt mit drei Würfeln, derjenige mit der höchsten Augenzahl gewinnt den Preis. Bei gleichen Zahlen gibt es ein Stechen. Ihr glaubt gar nicht, was da los ist. Das Zukucken ist unterhaltsamer als selber mitzumachen. Da geht es zu wie bei einer Sportveranstaltung. Mit Anfeuern, Auspfeifen und viel „Oh“, „Ah“ und noch lauterem Jubel. Heute gingen beispielsweise gleich zwei der „Hauptpreise“ (Fresskörbe) an eine Familie, Mutter und Sohn. Da war Halligalli angesagt.

Der Knappkaukje ist was zu essen. Auf hochdeutsch sind das Neujahrskuchen. Auch eine Tradition bzw. ein Traditionsgebäck, das es nur hier und nur in der Adventzeit bis Neujahr gibt. Wenn ich versuche sie einem Nicht-Ostfriesen zu erklären, sieht das so aus: Stell Dir ein richtig gutes Eiswaffelhörnchen vor. Nur nicht in Hörnchenform, sondern als Röhre. So in etwa sieht ein Knappkaukje aus. Das sind ganz dünne Waffeln, die in speziellen Waffeleisen gebacken werden und noch heiß über einem Löffelstiel oder einer speziellen Holzrolle geformt werden. Abgekühlt sind sie dann fest und sehen aus wie große Waffelröllchen, was sie ja eigentlich auch sind. Einen richtig ausführlichen Artikel dazu gibt es hier. Und heute fand im Dorfgemeinschaftshaus der Weihnachtszauber mit Nikolaus, Waffeln, Glühwein und eben Verknobelung statt, dabei konnte man hier dann auch die Knappkaukjes im Eimer kaufen. Und was soll ich sagen. Sie sind alle 8000 Kaukjes losgeworden und hätten noch mehr verkaufen können. Lecker sind sie ja, aber auch sehr, sehr bröselig. Ein Tipp: Bloß nicht im Bett essen 😉

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